phänomenologisches Wahrnehmen

Das Wesentliche - "Eidos"

Die Haltung des Aufstellungsleiters ist ausschlaggebend für den Erfolg und die weitreichende Tiefe des Lösungsbildes, das wirken kann. Dies beginnt beim Vorgespräch mit dem Menschen und endet beim richtigen Zeitpunkt für den Schluss der Aufstellung, wenn die Kraft am stärksten ist.

Schon zu Beginn ist es wichtig für mich zu überprüfen:

  • bin ich bereit
  • ist meine innere Bewegung auf ein bereits vorgefasstes Ziel festgelegt oder bin ich möglichst offen und frei
  • ist meine Wahrnehmung gesammelt und die des Klienten auch
  • wenn ich nun höre, sehe, wahrnehme - habe ich alle im Herzen, die zur Familie dazu gehören? Jenseits von Wertungen, von "gut" und "böse"

Nun kann sich mir der Wesenskern, das eidetische (Eidos = griech. Wesenskern) des Menschen, des Problems zeigen, und ich ihn begleiten. Vielleicht sogar auf etwas Größeres zu, seinem Lebenssinn?

Diese phänomenologische Haltung (sich dem Wesenskern öffnen, ohne zu werten, nur durch wahrnehmen) führt in eine große Tiefe der Seele - und so auch zu neuen Höhen, die sich in einer inneren Bewegung bei Aufstellungsleiter, Stellvertretern und KlientIn zeigen. Hin zu Leichtigkeit und Glück.

Und das Glück kann mächtig sein, was manchmal zu inneren Widersprüchen führt: darf ich das? Darf ich in meinem Leben glücklicher sein als alle anderen (meiner Familie)?

So zeigt sich plötzlich eine neue Ebene, die nochmals dahinter liegt: unser Gewissen. Unser Gewissen sagt uns, wenn ich die Ethik einer Gruppe (was gut und böse ist) annehme und lebe, gehöre ich dazu - und bin nicht alleine. Ich bin loyal.

Wie integriere ich nun die Lösung, die sich in einer Aufstellung zeigen kann, wenn sie dieser Loyalität scheinbar widerspricht? Als Leiter verbinde ich mich innerlich mit allen der Sippe und habe sie im Blick. Als KlientIn verbinde ich mich mit allen meiner Sippe und sage: "Danke!" und mache daraus was Gutes für mich.

So wirkt die Lösung unmittelbar, ohne Störung der systemischen Ordnung und wird von allen mit getragen. Wer und wo immer sie sein mögen.

Philosophie der Phänomenologie
vgl. Edmund Husserl, "Erkenntnis aus Erfahrung und Erfahren"